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Antidementiva steigern die LebensqualitätFrühe Arzneitherapie hält Alzheimer-Kranke länger selbstständig, beugt Verhaltensproblemen vor und erhöht so die Lebensqualität von Betroffenen und Angehörigen. Von einer antidementiven Therapie wird erwartet, dass sie den kognitiven Abbau bremst. Dies ist bei M. Alzheimer sowohl mit den drei Cholinesterase-Hemmern Donepezil, Galantamin und Rivastigmin als auch mit Memantine möglich. Die kognitiven Leistungen werden dabei etwa ein Jahr lang verbessert oder stabilisiert, danach nehmen sie trotz Therapie wieder ab, bleiben aber auf höherem Niveau als ohne Therapie. Dabei gilt: Je früher mit der Therapie gestartet wird, um so höher ist das Niveau, das sich noch erhalten lässt. Für Demenzkranke und ihre Familien sind aber nicht nur Gedächtnisstörungen ein Problem, schwerer wiegen meist Verhaltensauffälligkeiten wie Wahnvorstellungen, Halluzinationen und Agitation, Depressionen und Apathie. Diese erschweren die Betreuung und tragen dazu bei, dass die Patienten früh in ein Pflegeheim kommen. So sind nach Untersuchungen bei leichter Alzheimer-Demenz im Schnitt noch etwa 15 Stunden pro Woche für die Pflege der Patienten nötig, bei mittelgradiger Demenz sind es 45 Stunden und bei schwerer Demenz bereits 70 Stunden. Diese Last zu mindern - dazu können Antidementiva ebenfalls beitragen: In Studien verspürten 50 bis 70 Prozent der Angehörigen einen Nutzen der antidementiven Therapie sowohl bei der Leistungsfähigkeit und Alltagskompetenz der betreuten Patienten als auch bei der eigenen Lebensqualität. Dies bestätigen inzwischen viele Untersuchungen: Memantine (Axura®, Ebixa®) ist zugelassen bei moderater bis schwerer Demenz, dies entspricht etwa einem MMST-Wert von weniger als 20 Punkten. In einer Analyse mit Daten von 2300 Alzheimer-Patienten waren die kognitiven Fähigkeiten mit Memantine nach einem halben Jahr sowohl bei moderater als auch schwerer Demenz signifikant besser als mit Placebo. Und in einer Metaanalyse mit Daten von 1400 Alzheimer-Kranken kamen die Patienten mit der Arznei auch im Alltag besser zurecht und zeigten seltener Verhaltensprobleme als mit Placebo. Zudem benötigten Patienten mit Memantine pro Monat 400 statt 450 Stunden Betreuung und Pflege. Donepezil (Aricept®) ist wie die anderen beiden Cholinesterase-Hemmer bei leichter bis mittelschwerer Demenz zugelassen. Dieses Stadium entspricht etwa einem MMST-Wert von 26 bis 10 Punkten. In Studien mit Donepezil wurde die Aufnahme in ein Pflegeheim im Schnitt um 21 Monate hinausgezögert, zudem halbierte sich der Wert des neuro-psychiatrischen Index (NPI) in einer Studie von 25 auf 12 Punkte. Patienten benötigen mit dem Antidementivum im Schnitt etwa eine Stunde weniger Pflege pro Tag als mit Placebo. Galantamin (Reminyl®) konnte in klinischen Studien die Heimaufnahme um etwa zwei Jahre hinauszögern und den Pflegeaufwand ebenfalls um etwa eine Stunde täglich reduzieren. Zudem kamen die Patienten im Alltag besser zurecht als ohne Medikation; Verhaltensstörungen nahmen ab, mit Placebo nahmen solche Störungen dagegen zu. In einer weiteren Studie konnte man Alzheimer-Patienten mit Galantamin pro Tag im Schnitt 2 Stunden und 20 Minuten länger alleine lassen als zuvor, mit Risperidon waren es 1 Stunde und 40 Minuten. Mit Rivastigmin (Exelon®) traten nach zweijähriger Therapie in einer Studie Stimmungsstörungen und Halluzinationen seltener auf als mit Placebo. Die Arznei ist auch als transdermales Pflaster erhältlich. Damit treten Übelkeit und Schwindel seltener auf als mit oraler Rivastigmin-Therapie, und die Alltagskompetenz bleibt nach Studiendaten stabiler. Psychopharmaka sollten bei Verhaltensproblemen nur kurzfristig und nur dann angewandt werden, wenn psychosoziale Interventionen und Antidementiva nicht ausreichen. Sind Psychopharmaka nötig, haben atypische gegenüber klassischen Neuroleptika den Vorteil, dass sie die Kognition kaum mindern. Gangunsicherheit, Schwindel und auch Stürze sind damit seltener. In Studien linderte Risperidon (etwa Risperdal®) Aggressivität und Störungen im Schlaf-Wach-Rhythmus ähnlich gut wie Haloperidol und besser als Melperon. (mut)
Quelle: Aerztezeitung 22.07.11 |
Fördert Stress Alzheimer?MÜNCHEN (eb). Wer Stress hat, könnte anfälliger für Alzheimer sein. Forscher haben nach eigenen Angaben in Tierversuchen nachgewiesen, dass Stresshormone krankhafte Veränderungen in Nervenzellen bewirken, die womöglich die Demenz-Erkrankung fördern. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München und der Universität von Minho in Braga (Portugal) haben festgestellt, dass sich im Gehirn von Ratten, die Stress ausgesetzt sind, zwei Proteine verändern (Journal of Neuroscience, 2011; 31(21):7840-7847). Wie das Institut mitteilte, stieg in den Versuchen einerseits die Anzahl der neurotoxisch wirkendem Beta-Amlyoid-Proteine im Gehirn der Ratten, andererseits entstand übermäßig phosphoryliertes Tau-Protein. "Beide Prozesse stehen am Anfang der Alzheimer-Erkrankung und sind Ausgangspunkt für die pathologischen Prozesse, die die Zerstörung von Nervenverbindungen und schließlich das Absterben der Nervenzellen verursachen", schrieb das Max-Planck-Institut für Psychiatrie in einer Mitteilung. Stress gar ein Auslöser?Die Wissenschaftler vermuten nun, dass Stress ein Auslöser für Alzheimer sein könnte. "Die Ergebnisse zeigen, dass Stresshormone und Stress das Tau-Protein wie bei Morbus Alzheimer verändern können", erklärte Dr. Osborne Almeida vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie. Er schließt daraus, dass Stress die Alzheimer-Erkrankung verschlimmert. Daher sollte Stress vermieden werden. "Wer regelmäßig Stress ausgesetzt ist, könnte auf diese Weise anfälliger für Alzheimer werden. Dabei steigt die Anfälligkeit mit dem Alter", sagte Almeida. Quelle: Aerztezeitung 01.06.11 |
"Es ist, als existiere man immer weniger"Der Selbstmord von Gunter Sachs hat die Angst vor der Diagnose Alzheimer ins öffentliche Interesse gerückt. In vier neuen Büchern beschreiben Patienten ihr Leben mit der Krankheit. Die Erfahrungsberichte zeigen: Mit Alzheimer hört das Leben nicht auf. Von Pete Smith Die Diagnose Alzheimer ist für Betroffene oft schlimmer als Krebs. Einige treibt sie in den Suizid, wie jüngst Gunter Sachs, die meisten lässt sie verstummen. Wurde über Alzheimer bislang nur aus Sicht der pflegenden Angehörigen und Fachleute geschrieben, so melden sich seit kurzem immer häufiger Patienten selbst zu Wort. Sie erzählen, was sie fühlen, denken oder hoffen und gewähren Einsichten, die unser Verständnis der Krankheit grundlegend verändern. Wie fühlt sich Alzheimer an? "Als lebe man in einer Wolke", antwortet der niederländische Wissenschaftler René van Neer. "Jegliche Ordnung ist verschwunden." Und: "Es gibt nichts mehr, das einem Halt gibt. Es ist, als existiere man immer weniger." Richard Taylor, ehemals Professor für Psychologie in den USA, formuliert es so: "Ich traue mir selbst nicht mehr über den Weg und weiß nicht, ob ich sage, was ich meine, und meine, was ich sage." Beide haben ein Buch über ihre Erfahrungen mit Alzheimer geschrieben. Während Taylor seine Innensicht in kurzen Essays artikuliert ("Alzheimer und Ich"), erhält René van Neer bei der Formulierung seiner Gedanken Hilfe von seiner Tochter Stella Braam ("Ich habe Alzheimer"). Taylor weinte "drei Wochen lang Tag für Tag", als er, 58-jährig, die Diagnose erfuhr. Van Neer blieb, zumindest nach außen, gelassen. "Na, zum Glück ist es kein Gehirntumor", meinte der 74-Jährige, um später hinzuzufügen: "Alzheimer ist ein Abenteuer. Ich lasse mich darauf ein." Worunter leiden Betroffene am meisten? "Mein größtes Problem ist, dass ich nicht sprechen kann", antwortet der US-Journalist Bill. "Das ist wirklich hart. Ich kann Gedanken entwickeln, sie aber nicht äußern. Ich fange Sätze an und weiß nicht, wie ich sie zu Ende bringen soll." Bill ist einer von sieben Patienten, die Lisa Snyder für ihr Buch "Wie sich Alzheimer anfühlt" befragt hat. Snyder arbeitet im Shiley-Marcos Alzheimer's Disease Research Center der University of California in San Diego. Von Bea, einer weiteren Interviewpartnerin, erhielt Snyder die Antwort: "Das Schlimmste für mich ist, mir morgens meine Hose anzuziehen." Booker, 82, machen die Reaktionen seiner Umwelt zu schaffen: "Wenn ich etwas vergesse, möchte ich freundlich behandelt werden. Unfreundlichkeit ruft Widerstand hervor." Alzheimer-Patienten sind schwierig: aggressiv, verstockt, unruhig und nervig. Das ist die Sicht von so manchem Angehörigen, Pfleger oder Arzt. Dass viele ihrer Reaktionen geradezu provoziert werden, wissen nur die Betroffenen selbst. Als größtes Problem empfinden sie die Bevormundung: Die "Gesunden" wissen alles besser! Sie bestimmen, da sich viele Patienten ja nicht verständlich machen können - jedenfalls nicht in der Zeit, die man ihnen dafür zugesteht. So kommt es vor, dass Ärzte, Pfleger und Angehörige Entscheidungen treffen, die an den Bedürfnissen der Betroffenen vorbeigehen, und über Patienten sprechen, als wären sie gar nicht da. Und dann wundern sie sich über trotzige Reaktionen. "Man wird behandelt wie ein Kind", bringt es Helen Merlin in einem Gespräch mit der Journalistin Beate Lakotta auf den Punkt. Lakotta hat gemeinsam mit anderen Autoren ein Buch zum Thema "Demenz - was wir darüber wissen, wie wir damit leben" herausgebracht und dafür unter anderem mit Betroffenen der Alzheimer Gesellschaft München gesprochen. "Wenn die Demenz anerkannt würde als Behinderung, dann würde ich unterstützt und integriert", so Merlin, die an Lewy-Körperchen-Demenz leidet. "Dann würde ich mich auch outen. Aber so ist es nur ein Stempel: Die können nichts mehr! Dabei kann ich noch viel." Einige Patienten stehen noch im Beruf, andere managen daheim ihren Alltag allein. Mit Alzheimer hört das Leben nicht auf: Das ist die vielleicht bedeutendste Botschaft der vielen Erfahrungsberichte. Alzheimer lässt auch Freuden zu, Alzheimer ist nicht nur Verlust, sondern Gewinn. "Man wird milder mit sich", schreibt Helen Merlin. "Ich freue mich über alles, was ich gut mache." Richard Taylor hat erfahren, dass sich die Beziehungen zu seiner Familie und seinen Freunden durch die Krankheit vertieft haben: "Wir verbringen ganz bewusst mehr Zeit miteinander. Wenn wir zusammen sind, reden wir mehr, wir umarmen uns öfter, wir weinen öfter und lachen öfter, lauter und länger." Bill schließlich empfindet das Leben mit Alzheimer ungezwungener als das Leben ohne: "Ich habe Spaß an Dingen, die Kindern Spaß machen. Ich werde nicht mehr zur Verantwortung gezogen wie früher. Ich kann machen, was ich will." Lisa Snyder: Wie sich Alzheimer anfühlt. Verlag Hans Huber. Bern 2011. 224 Seiten. 22.95 Euro. Quelle: Aerztezeitung 23.5.11 |
Antidementiva reduzieren die Morbidität von Alzheimer-PatientenAntidementiva können die Lebensqualität erhöhen und die Morbidität senken - doch werden sie in Deutschland nach wie vor zu selten verabreicht und zu gering dosiert. FRANKFURT/MAIN (mut). Nach der aktuellen S3-Leitlinie zu Demenzen sollten Alzheimer-Patienten in höchster zugelassener Dosierung und fortlaufend mit Antidementiva behandelt werden. Dies sei in Deutschland aber immer noch nicht die Regel, hat Professor Lutz Frölich vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim berichtet. So erhalten hierzulande nach Daten einer 2010 publizierten Studie nur etwa 31 Prozent der von Hausärzten betreuten und 52 Prozent der von Fachärzten betreuten Alzheimer-Kranken eine spezifische antidementive Therapie. Auch würden die Patienten meist nicht fortlaufend behandelt, und die Therapie erfolge häufig nicht in einer ausreichenden Dosierung, so Frölich auf einer Veranstaltung des Unternehmens Janssen-Cilag in Frankfurt am Main. Ein Lichtblick immerhin: Von den 70- bis 80-jährigen Alzheimer-Patienten erhalten etwa 60 Prozent Antidementiva, aber sowohl bei jüngeren als auch älteren Patienten werden wesentlich seltener Medikamente gegen die Demenz verordnet, ergänzte Professor Matthias Riepe von der Universität Ulm. Ein Grund für die schlechte Versorgung sei offenbar auch, dass die Gesellschaft weiterhin ihren Fokus auf einer Reduktion der Mortalität lenke. So werden etwa für die Behandlung von 1,3 Millionen Krebspatienten in Deutschland pro Jahr 14,5 Milliarden Euro ausgegeben, für die Behandlung einer ähnlich großen Zahl von Demenz-Patienten dagegen nur 4,5 Milliarden - und das hauptsächlich für Pflegemaßnahmen. Gerade bei sehr alten Menschen habe sich in den vergangenen Jahrzehnten bei der verbleibenden Lebenserwartung allerdings wenig geändert, hier komme es folglich vor allem darauf an, die Morbidität zu reduzieren und die Lebensqualität zu erhöhen - und dabei könnten Antidementiva einen wichtigen Beitrag leisten. Riepe wies darauf hin, dass sich in Studien mit dem Cholinesterase-Hemmer Galantamin (Reminyl®) die Aufnahme in ein Pflegeheim um zwei Jahre verzögern ließ, zudem wurde der Pflegeaufwand um etwa sieben Stunden pro Woche reduziert, die Patienten kamen im Alltag besser zurecht als ohne Medikation, und Verhaltensstörungen nahmen deutlich ab, wohingegen sich solche Störungen unter Placebo verstärkten. Dies zeige, dass sich die Morbidität unter einer Behandlung mit Antidementiva senken lasse. Wenn, wie zu erwarten, ab Ende dieses Jahres die ersten generischen Cholinesterase-Hemmer auf den Markt kommen, dann sollten Ärzte berücksichtigen, dass eine Umstellung der bisherigen Medikation sowohl bei Patienten als auch bei Betreuern zu Verwechslungen und Verunsicherung führen kann, sagte Frölich. Auch werde ein Wirkstoff in generischen Präparaten oft anders freigesetzt, was sowohl die Wirksamkeit beeinträchtigen als auch die Verträglichkeit verschlechtern könne. Der langfristige Einsatz von Originalpräparaten vermeide zudem Verunsicherung und Verwechslungen bei Betreuern und Patienten. Quelle: Ärztezeitung, 25.03.2011 |
Bessere Unterstützung für pflegende Angehörige ist dringend nötigDie Unterstützung pflegender Angehöriger war das Thema des Pflege-Dialogs, zu dem Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler am 14. Februar 2011 eingeladen hatte. Mehr als 2,2 Millionen Menschen sind derzeit pflegebedürftig im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes. Etwa zwei Drittel von ihnen werden von Angehörigen zu Hause gepflegt, zumeist von (Ehe-)partnern und Töchtern. Dies gilt auch für die 1,2 Millionen Demenzkranken in Deutschland, von denen nur ein Teil Leistungen der Pflegeversicherung erhält.
Quelle: Pressemitteilung Deutsche Alzheimergesellschaft, 15.02.2011 |
+++ Zu wenig Rente für die Pflege zuhause +++
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